📊 Die digitale Transformation im Gesundheitswesen - Aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen

Die digitale Transformation revolutioniert das deutsche Gesundheitswesen grundlegend und in einem rasanten Tempo. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, wird heute in vielen Bereichen bereits umgesetzt. Die Veränderungen betreffen alle Akteure im Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Arztpraxen, MVZs, Pflegeeinrichtungen, Kostenträger und nicht zuletzt die Patientinnen und Patienten selbst.

Basierend auf dem Artikel "Arbeitsgruppe Interoperabilität: Kerndatensatz und Informationssysteme für Integration und Austausch von Daten in der Medizininformatik-Initiative" (Ammon et al., 2024) lässt sich erkennen, dass standardisierte Datenstrukturen und Schnittstellen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Medizininformatik-Initiative (MII) hat einen Kerndatensatz (KDS) entwickelt, der die Interoperabilität zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen verbessert. Diese Entwicklung ermöglicht eine effizientere Nutzung von Versorgungsdaten für die Forschung und könnte langfristig auch die Patientenversorgung verbessern.

Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist die Gesetzgebung. Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wurden 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Krankenhäuser bereitgestellt. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) hat den Weg für digitale Gesundheitsanwendungen auf Rezept geebnet, und das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) erweitert die Telematikinfrastruktur um wichtige Anwendungen wie das E-Rezept und die elektronische Patientenakte (ePA). Die 2021 eingeführte ePA ist ein zentrales Element der digitalen Transformation, auch wenn die Nutzung bisher hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ab 2025 soll sie nach dem Opt-out-Prinzip für alle gesetzlich Versicherten eingeführt werden, wie es im E-Health-Gesetz vorgesehen ist (Bundesministerium für Gesundheit, 2023).

Eine Studie von McKinsey (2023) zeigt, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen erhebliche ökonomische Potenziale bietet. Durch optimierte Prozesse, verbesserte Diagnosen und Behandlungen sowie effizientere Verwaltung könnten jährlich bis zu 34 Milliarden Euro eingespart werden. Gleichzeitig könnte die Versorgungsqualität deutlich steigen.

Aktuelle Herausforderungen sind die Harmonisierung unterschiedlicher Datenformate, der Aufbau sicherer Infrastrukturen für den Datenaustausch und die Integration neuer digitaler Anwendungen in bestehende Systeme. Die Verwendung internationaler Standards wie HL7 FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) und SNOMED CT (Systematized Nomenclature of Medicine Clinical Terms) für die semantische Interoperabilität sind wichtige Bausteine dieser Transformation. Besonders FHIR hat sich als führender Standard für den Austausch von Gesundheitsdaten etabliert und wird auch in der deutschen Telematikinfrastruktur eingesetzt (Thun et al., 2022).

Im Bereich der IT-Sicherheit stehen Gesundheitseinrichtungen vor besonderen Herausforderungen. Als Teil der kritischen Infrastruktur sind sie gesetzlich verpflichtet, hohe Sicherheitsstandards einzuhalten. Gleichzeitig sind sie ein beliebtes Ziel für Cyberangriffe. Der Spagat zwischen Datensicherheit und Nutzbarkeit ist nicht immer einfach zu bewältigen, wie das Johner Institut in seinem Blog zur IT-Sicherheit im Gesundheitswesen betont.

Chancen ergeben sich vor allem durch:

  • Verbesserte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen durch nahtlosen Datenaustausch
  • Datengetriebene Forschung und Entwicklung neuer Behandlungsmethoden
  • Erhöhte Effizienz durch digitalisierte Prozesse und Automatisierung administrativer Tätigkeiten
  • Bessere Entscheidungsgrundlagen durch umfassendere Datenverfügbarkeit
  • Patientenzentrierte Versorgung durch digitale Gesundheitsanwendungen und Telemedizin
  • KI-gestützte Diagnostik und Therapieempfehlungen

Ein Beispiel für innovative Ansätze ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Diagnostik. Systeme zur Bildanalyse können bereits heute Radiologen bei der Erkennung von Anomalien in Röntgen-, CT- oder MRT-Bildern unterstützen. Die Bertelsmann Stiftung hat in ihrer Studie "Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen" (2022) gezeigt, dass KI-Systeme in einigen Bereichen bereits ähnlich gute oder sogar bessere Ergebnisse erzielen als menschliche Experten.

Die Corona-Pandemie hat als Katalysator für die Digitalisierung gewirkt. Telemedizinische Angebote, digitale Impfnachweise und Contact-Tracing-Apps haben gezeigt, wie schnell digitale Lösungen im Gesundheitswesen implementiert werden können, wenn der Handlungsdruck groß genug ist. Diese Dynamik gilt es nun zu nutzen, um weitere Fortschritte zu erzielen.

Quellen:

  1. Ammon, D., Kurscheidt, M., Buckow, K. et al. (2024). Arbeitsgruppe Interoperabilität: Kerndatensatz und Informationssysteme für Integration und Austausch von Daten in der Medizininformatik-Initiative. Bundesgesundheitsblatt.
  2. Bundesministerium für Gesundheit (2023). Die elektronische Patientenakte (ePA). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/elektronische-patientenakte.html
  3. McKinsey & Company (2023). Digitalisierung im Gesundheitswesen: Die 34-Milliarden-Euro-Chance für Deutschland.
  4. Thun, S., Sass, J., Preisack, M. (2022). HL7 FHIR in der deutschen Gesundheitsversorgung. Springer Vieweg.
  5. Bertelsmann Stiftung (2022). Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: Potenziale und Herausforderungen.


weiter